Der zweite Teil meiner Reise nach Namibia drehte sich voll und ganz um die Astronomie. Hierzu hatte ich mich für drei Wochen auf Hakos, einer Gästefarm die sich auf die Astronomie spezialisiert hat, einquartiert. Doch bevor es soweit kommen sollte, musste ich erst von der Kalahari-Wüste zurück in die Hauptstadt Windhuk. Zusammen mit Göran Lindström, dem schwedischen Gepardenflüsterer, mit dem ich mehrere Wochen zusammen arbeitete, ging es mit weit über 100 km/h über frisch abgezogene Schotterpisten. Dort angekommen, kam ich für die kommende Nacht in einem Hostel unter. Bevor Göran weiter zum Flughafen fuhr, ließen wir bei einem kühlen Bier die vergangenen Wochen unserer Arbeit mit den Geparden Revue passieren.

Am nächsten Morgen dauerte es dann auch nicht lange bis mich Friedhelm Hund von der Gästefarm mit dem Pickup abholte. Nachdem wir in der Stadt Baumaterial aufluden, ging es über die C26 in Richtung Hakosberge. Rund zwei Stunden dauerte die Fahrt über die Schotterpisten, die in Namibia Pad genannt werden.
Während der Fahrt gab es einiges zusehen. Schon von Weitem zeigten sich der große und der kleine Gamsberg. Ersterem sollte ich im weiteren Verlauf meines Aufenthaltes noch einen Besuch abstatten. Von der Straße aus ließ sich zudem ein Blick auf die HESS-Teleskope werfen, bei denen es sich um ein System aus fünf offen gebauten Tscherenkow-Teleskopen handelt. Diese beobachten am Nachthimmel verschiedene Gammastrahlen-Quellen, wobei diese genau genommen die in der Atmosphäre entstehenden Tscherenkow-Strahlung detektieren. Nachdem das Tor zur Farm erreicht war, ging es über eine schmale Pad direkt zum Gästehaus.

Die Farm selbst gibt es seit den 30er Jahren, wobei diese mit ihren 6.800 ha Fläche ursprünglich für die Rinderzucht genutzt wurde. Ende der 90er begann die Nutzung als Astrofarm und bietet seitdem ein beliebtes Domizil für Hobbyastronomen aus aller Welt. Hierzu haben sich inzwischen mehr als ein Dutzend Sternwarten auf der Farm angesiedelt, welche größtenteils über das Internet angesteuert bzw. vermietet wird. Aufgrund der abgelegenen Lage, versorgt sich die Farm selbst mit Strom und Wasser, was einen verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen nötig macht.

Dort angekommen, wurde ich sogleich von Waltraud Straube begrüßt und über das Gelände geführt. Sie ist die Chefin der Astrofarm und war für die nächsten Wochen meine Gastgeberin. Der Haushund bekam von ihr sogleich den Auftrag auf mich aufzupassen, was er in den folgenden drei Wochen auch sehr gewissenhaft tat. Morn, so hieß der Hund, verstand sich hervorragend mit mir, sodass wir doch einiges an Zeit miteinander verbringen sollten.
Als ich mein Zimmer bezog, war ich der einzige Gast auf der Farm, was aufgrund der Nebensaison für die meiste Zeit auch so bleiben sollte. Für europäische Verhältnisse war es eine einfach gehaltene Unterkunft. Wenn jedoch man bedenkt, wie unwirtlich diese Farm gelegen ist, so ist diese doch mehr als reichlich ausgestattet. Es fehlte an nichts, was ein hungriger, müder oder auch abenteuerlustiger Astronom braucht. Da es um eine Astrofarm handelte, waren auch auch die Abläufe an die Bedürfnisse der dortigen Astronomen angepasst.

Bis zu der Zeit in der ich den von Intercon Spacetec gemieteten Doboson nutzen konnte, bekam ich ich Waltraud ein 8“ Dobson-Teleskop zur Verfügung gestellt. Das bereits auf der Bagatelle-Kalahari-Game-Ranch genutzte Zubehör kam hier wieder zum Einsatz. Nach einer kurzen Justage wartete das Teleskop fertig aufgebaut auf seinen Einsatz. Jupiter und Saturn zogen zu der Zeit hoch am Himmel nahe des Zenits vorüber und wenn es das Wetter zuließ, nutzte ich jede Nacht, um den beiden im Mondschein nachzustellen. Die herrliche Ruhe dort zog mich direkt in seinen Bann, wobei die Gamsberge im Mondschein stets meine Blicke auf sich zogen. Ein paar zirpende Grillen hier, ein pfeifendes Zebra dort. Menschliche Geräusche hingegen waren oftmals gar nicht zu hören. Als jemand der in Deutschland aufgewachsen ist, eine gänzlich neue Erfahrung.

Tagsüber erkundete ich zusammen mit dem Hund die nähere Umgebung. Ausgefahrene Wege führen hinab in die Schlucht bzw. über die Hochebene. Teilweise ging es auch quer durch die Botanik, wobei mir der Hund nicht von der Seite wich und nach allerhand Getier, vor allem Giftigem, Ausschau hielt. Die dortige Landschaft erscheint im ersten Moment karg und monoton, was allerdings täuscht. Was Geologie, Flora und Fauna betrifft, ist dieser Flecken Erde dennoch reich gesegnet. Neben den Astronomen zieht es auch den ein oder anderen Geologen und Biologen in diese Gegend. Die stark zerklüftete Landschaft gehört geologisch betrachtet zur Großen Randstufe und somit zu den ältesten geologischen Formationen auf diesem Planeten. Die Landschaft zeichnet sich durch geschieferten Granit aus, der vielerorts durch dicke Quarzadern durchzogen ist.
Neben Bergzebras und Oryx, einer Antilopenart, waren regelmäßig Bärenpaviane zu sehen, die während meiner Wanderungen lautstark gegen meine Anwesenheit protestierten. Gelegentlich liefen mir auch ein paar Warzenschweine über den Weg.
Tief in einer der Schluchten konnte ich dem Wasserlauf folgen, der sich im Laufe der Zeit tief in das Gestein geschliffen hat, und hierbei die feine Maserung des Gesteins zum Vorschein brachte. Die Hakosberge, welche ebenfalls aus geschieferten Granit bestehen, lagen auf der anderen Seite der Schlucht und erschien wie ein überdimensionierter Plattenstapel, der zur Seite umgekippt und aufgefächert in den Himmel ragte. Ich wagte zusammen mit dem Hund einen Versuch, um eben jene Berge zu erklimmen, jedoch musste ich rund 200 Höhenmeter unterhalb kehrt machen. Das schwierige Gelände und die fehlenden Wege ermöglichten nur ein sehr langsames Vorankommen.
Zusammen mit einer kleinen Reisegruppe aus Deutschland ergab sich für mich die Möglichkeit auf den Gamsberg zu fahren. Dieser 2347 m hohe Tafelberg war zeitweise als Standort für die Europäischen Südsternwarten im Gespräch, um den Südsternhimmel abseits vom Kunstlicht zu erforschen. Der Begründer der Astrofarm Hakos, Walter Straube, unterstützte damals die Max-Planck-Gesellschaft bei der Erschließung des Berges. Aufgrund der damaligen politischen Rahmenbedingungen, fiel schlussendlich die Entscheidung zugunsten von Chile, wo inzwischen in der dortigen Atacama-Wüste eine Vielzahl an Großteleskopen gebaut wurde.
Die Fahrt zum Gamsberg gestaltete sich abenteuerlich. Auf einem Pickup, dessen Ladefläche mit drei Sitzbänke versehen war, fuhren wir los, den Gamsberg immer im Blick. Um überhaupt an den Fuß des Berges zu gelangen, mussten wir über das Gelände der Nachbarfarmen fahren, was einer vorherigen Anmeldung bedurfte. Die Anmeldung war nicht nur deshalb erforderlich, weil es sich um ein fremdes Grundstück handelte, vielmehr ging es auch darum, dass die bewaffneten Wildhüter über unser Kommen Bescheid wusste. Diese habe die Aufgabe, die Nashörner und insbesondere die Wilderer im Blick zu behalten. Die Wilderei ist in Namiba nach wie vor ein großes Problem.
Im weiteren Verlauf der Fahrt ging es an Viehgattern, diversen Autowracks und durch trockene Bachbetten zur Auffahrt des Gamsberges. Die uns erwartende Auffahrt war respekteinflößend. Jenseits des Tores geht es in teils sehr steilen Passagen den Berg hinauf, wobei lediglich die Fahrspuren selbst mit Beton befestigt sind. Im Schneckentempo meistere Friedhelm Hund die viele Spitzkehren und brachte uns stets am Abgrund entlang sicher auf das Plateau des großen Gamsberges. Wer nicht schwindelfrei war, kniff während der Fahrt die Augen zu.

Nach so viel Aufregung gab es im Schatten einer Pergola erst mal einen kurzen Lunch, den uns die Chefin der Farm zusammenstellen hat lassen. Meine Mitreisenden interessierten sich brennend für die dortige Geologie, sodass sie gefühlt jeden zweiten Stein umdrehten, wohl auch in der Hoffnung, das ein oder andere Tierchen zu entdecken. Vom Rand des Plateaus aus hat man eine grandiose Fernsicht. Aufgrund des klaren Himmels ließ sich sogar der Rand der über 100 km entfernt liegenden Namibwüste erkennen.

Auf dem Berg selbst stehen eine Reihe von Hütten, die ursprünglich für die Max-Planck-Gesellschaft errichtet wurde. Seit vielen Jahren werden diese allerdings von den Mitgliedern der Internationalen Amateur-Sternwarte genutzt, die darin ihre Beobachtungsgeräte untergebracht haben. Nach der abenteuerlichen Auffahrt war es nur schwer zu glauben, wie damals ein Teleskop mit 70 cm Spiegeldurchmesser huckepack auf einem Unimog den Berg hinauf transportiert wurde.

Nach der ersten Woche, Neumond rückte näher, widmete ich mich vermehrt der Astronomie. Hierzu hatte ich ein 24“ Dobson-Teleskop gemietet, welches seinerzeit von Martin Birkmaier gebaut wurde. Zusammen mit Friedhelm baute ich das Gerät auf der Terasse auf, um es anschließend einer gründlichen Justage zu unterziehen. Da selbst ich zu klein war, benötigte ich einen Tritt, um im Zenit in das Okular blicken zu können. Für niedrige Beobachtungen stellte mir Waltraud einen passenden Beobachtungsstuhl zur Verfügung.

Für die Beobachtungsnächte hatte ich bereits in Deutschland eine ausführliche Objektliste erstellt. Mit einem Spiegeldurchmesser von über 60 cm kommen auch sehr lichtschwache Objekte in Reichweite, wobei die helleren Objekte umso mehr Details zeigen sollten. Der Südsternhimmel bietet gänzlich ungewohnte Himmelsansichten. Große Teile dieses Areals sind von Europa aus aufgrund der Erdkrümmung nicht sichtbar. Die mir bis dato bekannten Sternbilder stehen zudem auf dem Kopf, was mir die Orientierung deutlich erschwerte. Um die Sache zu vereinfachen bzw. um die Objekte meiner Begierde auffinden zu können, nutze ich primär ein Tablet, auf dem die Software SkySafari installiert war. Da die Dunkeladaption nicht negativ beeinflusst werden darf, spannte ich eine rote Folie vor das Display. Zusätzlich hatte ich umfangreiches Kartenmaterial aus Deutschland mitgebracht, um auch Objekte wie Quasare auffinden zu können.
Um vom Himmel Langzeitbelichtungen machen zu können, brachte ich für meine Spiegelreflexkamera meine Astrotrac TT320-AG als Nachführung mit. Diese baute ich in unmittelbarer Nähe stationär auf einer Säule auf. Die genaue Ausrichtung auf den südlichen Himmelspol stellte sich als Herausforderung dar, da es am Südsternhimmel keine Art Polarstern gibt, wie wir Europäer ihn kennen. Noch dazu sind die Sterne zur Orientierung eher lichtschwach und unauffällig. Um das System zu stabilisieren, füllte ich die Säule mit Steinchen auf. Als Kamera nutzte ich eine Nikon D750, wobei sich der Bereich der Brennweiten von 16 mm bis 300 mm erstreckte. Die Qualität des Himmels ermöglicht es, bereits mit Einzelaufnahmen sehr ansehnliche Bilder zu schaffen. Des weiteren kam die Kamera fest auf dem Stativ montiert zum Einsatz, um die Szenerie einzufangen.

Da zu dieser Zeit noch Regenzeit herrschte, war der Himmel regelmäßig bewölkt. Mehrmals war zu beobachtete, wie von Westen her Wolken aufzogen, die sich dann aber über mir aufgrund einer trockenen Gegenströmung auflösten. In den zwei Wochen, in denen ich das Teleskop mietete, konnte ich in etwas weniger als der Hälfte der Nächte beobachten. Doch sobald der Himmel aufriss, war der Anblick überwältigend. Die Klarheit kannte ich bislang nur von der Kanareninsel La Palma. Die Silhouette der umliegenden Berge machte sich dadurch bemerkbar, dass das gestirnte Firmament abrupt aufhörte. Das Zentrum der Milchstraße warf diffuse Schatten, die sich mit Geduld beobachten ließen. Auch die Temperaturen meinten es gut mit mir. Nachts kühlte es auf angenehme 15°C bis 20°C ab, sodass ich des Nachts lediglich mit einer dünnen Jacke beobachten konnte.

Der Tagesablauf zu dieser Zeit war voll und ganz auf die Astronomie ausgerichtet. Um rechtzeitig mit dem Beobachten starten zu können, wurde das Abendessen vorgezogen, wobei es neben deutscher Hausmannskost auch mal das ein oder andere Stück Zebra gab. Als Verpflegung für die Nacht gab es von Waltraub Straube eine Dose selbstgebackener Kekse, die bei mir auch nicht allzu lange halten sollten. Die Nächte wurden von mir so gut es ging genutzt, sodass ich in der Regel erst zu Beginn der nautischen Dämmerung das Teleskop ruhen ließ. Zum Abschluss erwartete mich ein Bett unterm Moskitonetz. Nachdem den Bergpavianen der Zitronenbaum vor meinem Zimmer nicht unbemerkt blieb, weckten mich diese regelmäßig durch ihre Flucht vor dem Hund über das Blechdach meiner Unterkunft. Nach einem späten Frühstück und ein bisschen Schlaf, gab es am frühen Nachmittag ein kleines Mittagessen. Die Zeit dazwischen nutzte ich, um die nächste Beobachtungsnacht vorzubereiten oder um die Nähere Umgebung weiter zu erkunden. Da ich die meiste Zeit über der einzigste Gast war, wirkte der Urlaub auf Hakos sehr familiär.

Auch während meiner Beobachtungen am Teleskop ließ mich Morn, der Farmhund, selten allein. Unweit des Teleskops kauernd, behielt er mich im Blick. Während ich beim Schauen durch das Teleskop im Universum versank, konnte ich den Trittgeräuschen und dem Pfeifen der Zebras lauschen, die des Nachts grüppchenweise die nahegelegene Tränke aufsuchten. Weit über 100 Objekte hatte ich mir in Summe zum Beobachten herausgesucht. Um die Beobachtungen festzuhalten, legte ich zu vielen Objekten einen Beobachtungsbericht an, wobei manche auch als kleine Zeichnung festgehalten wurde. In den regelmäßigen Pausen gab es neben den Keksen auch die ein oder andere Streicheleinheit für den Hund. Meine Kamera tat weitestgehend selbständig ihren Dienst und hielt dabei die Details des Firmaments fotografisch fest. Kurz vor Sonnenaufgang gab es nochmal Wallung in der Stille der Nacht. Die Paviane kamen regelmäßig, um sich lautstark um das restliche Wasser der Tränke zu streiten.

Wie so oft bei meinen Beobachten, nahm ich mir auch auf der Astrofarm Hakos die Zeit, um mich mit dem bloßen Augen bzw. ohne technische Mittel dem Sternenhimmel zu widmen. Durch die südliche Lage, waren Sternbilder zu sehen, die mir von Europa aus verwehrt bleiben. Zu Beginn der Nacht ließen sich die Magellanschen Wolken beobachten, die dezent leuchtend über dem Südhorizont standen. Ab der zweiten Nachthälfte wiederum, stieg das Zentrum der Milchstraße hoch den Himmel hinauf und ließ mich in dessen Licht die nähere Umgebung schemenhaft erkennen. Mit der Sternkarte in der Hand, gelang nach und nach die Orientierung am Südsternhimmel. Neben Sternbildern aus der Antike, waren auch Sternbilder aus der Neuzeit anzutreffen. So gab es neben dem Sternbild Zentaur auch das Sternbild Chemischen Ofen und Luftpumpe zu sehen.
Von den vielen Himmelsobjekten die ich in dieser phantastischen Umgebung beobachten konnte, sind mir folgende besonders in Erinnerung geblieben:
- NGC 2359 – Thors Helm – Großer Hund
Dieser Nebel erinnert an einen geflügelten Helm, wie man ihn von Asterix bzw. der Zigarettenmarke Gaulois her kennt. Zu Beginn erscheint der Helm im Teleskop als ovalers, ringförmiges Gebilde. Gegenüberliegend sind zwei lange Nebelstreifen erkennbar, die am „Helm“ beginnen und in die paralell zueinander vom Helm weggehen, wobei diese ca. den doppelten Durchmesser des Ovals als Länge haben. Die offene Seite des „Helms“ läuft diffus aus, wobei sich in etwas Abstand ein weiteres Stück Nebel erkennen lässt, welchses sich als Wikingerbar interpretieren ließe. Innerhalb des Helms befindet sich zudem ein heller Wolf-Rayet-Stern, von dem aus ein bogenförmiges Filament auszugehen schein. - NGC 3372 – Carinanebel – Schiffskiel
Ein gigantsicher Nebelkonplex, welcher den Orionnebel größen- wie auch helligkeitstechnisch deutlich übertrifft. Selbst bei niedrigster Vergrößerung (31 mm Nagler; 78-fach) war der Nebel aufgrund der Größe nicht als Ganzes zu überblicken. Der dreigeteilte Nebel erscheint stark zerklüftet. In der nähe des Sterns η Carinae war der Nebels am hellsten bzw. am stärksten Ausgeprägt. Die Detailfülle ist überwältigend, wobei die Nebelstrukturen mal scharf begrenzt, mal diffus auslaufend erscheinen. Innerhalb des Komplexes befinden sich diverse Sternentstehungsgebiete und Sternhaufen, die es wert sind genauer beobachtet zu werden. Bei mittlerer bis höherer Vergrößerung konnte ich regelrecht in den Nebel eintauchen, auch auf die Gefahr hin, mich darin zu verlieren. Jeder Ausläufer ist es wert gewesen, mit dem Teleskop zu erkungen. Der Carinanebel wurde von mir während jeder klaren Nacht beobachtet. Aufgrund der Detailfülle stieß ich jedes Mals auf Einzelheiten, die mir bei den vorherigen Beobachtungen entgangen sind. - B33 – Perdekopfnebel – Orion
Nachdem das Teleskop so bewegt wurde, dass der Stern Alnitak (ζ Orionis) außerhalb des Gesichtsfeldes lag, ließ sich der Pferdekopfnebel bei niedriger Vergrößerung bereits ohne Hβ-Filter indirekt gut erkennen. Mit Hβ-Filter hingegen, trat der Pferdekopfnebel gegenüber des dahinterliegenden Emissionsnebel IC 434 deutlich hervor. Die Kontur des Nebels war von der Mähne bis zu den Nüstern des „Pferdes“ deutlich erkennbar. Die Konur zum Bug hin, war schwer zu erkennen, da diffus auslaufend. - NGC 5139 – ω Centauri – Zentaur
Ein sehr heller Kugelsternhaufen, der mit dem bloßen Auge leicht am Himmel zu erkennen war. Im 24″ Dobson erschien dieser mit außerordentlich vielen Sternen bis ins Zentrum hinein aufgelöst. Die Verteilung der Sterne innerhalb des Kugelsternhaufens erscheint sehr homogen. - NGC 104 – 47 Tucanae – Tukan
Bereits mit bloßem Auge war der Kugelsternhaufen (4,9 mag) bereits direkt am Himmel sichtbar. Im Okular füllte dieser bei einer Vergrößerung von 300x das scheinbare Gesichtsfeld von 100° fast vollständig aus. Bis ins Zentrum aufgelöst, erschienen die Sterne inhomogen angeordnet. Dabei fallen mehrere Sternenketten deulich auf, die dem Sternhaufen etwas besonderes verleihen. - Magellansche Wolken
Diese irregulären Zwerggalaxien erscheinen am Nachthimmel bereits mit dem bloßen Auge als große, helle Wolken. Sie sind so auffällig, dass diese selbst einem Laien sofort auffallen würden. Im Teleskop ist der Anblick bei niedrigster Vergrößerung in Kombination mit einem UHC-Filter am besten, wobei einem hierbei die unzähligen Sternhaufen und Gasnebel wie ineinander verwoben vorkommen. Viele Objekte innerhalb der beiden Galaxien sind es wert, bei mittlerer und hoher Vergrößung genauer beobachtet zu werden. - Sirisu B – α Canis Majoris – Großer Hund
Nach der Sonne, ist Sirus der hellste Stern, den wir von der Erde aus sehen können. Hierbei handelt sich sich um ein Doppelsternsystem, bei dem zwei Sterne einen gemeinsamen Schwerkpunkt umkreisen. Mit dem Teleskop galt es, den zweiten und zugleich deutlich schwächen Stern dieses Systems zu beobachten. Im 24″ Dobson ließ sich der Doppelstern deutlich trennen, jedoch bereitete mir die Luftunruhe etwas Probleme. Außerdem gingen von Sirius A Spikes aus, die sehr knapp an Sirus B vorbeigingen. - Fornax-Galaxienhaufen – Chemsicher Ofen
Dieser Galaxienhaufen erstreckt sich über ca. 5° und bietet im Teleskop dutzende Galaxien. Bei niedrigster Vergrößerung zeigten sich über 10 Galaxien auf einmal im Okular, wobei diese kaum unterschiedlicher unterschiedlicher sein können. Von nadelförmig Galaxien in Kantenlage bis zu runden Ansichten in Frontalansicht. Manche sind scharf in ihrer Ausdehung begrenzt, andere wiederum erscheinen als diffuse Flecken. Besonders auffällig ist die die Balkengalaxie NGC 1365, deren Spiralarme wie lange Fahnen sich im Weltraum stehen. Anhand der Spiralarme lässt sich auf anhieb erkennen, dass sich diese Galaxie von der Erde aus gesehen im Uhrzeigersinn dreht. - NGC 2027 – Tarantelnebel – Schwertfisch
Sehr heller und komplexer Nebel innerhalb der Großen Magellanschen Wolke. Der Nebel erscheint ähnlich wie der Carinanebel stark zerklüftet. Der zentrale Bereich zeigt sich als fadenartiges Gebilde, wobei hierbei viele Bögen zu sehen sind, die um das Zentrum angeordnet sind. In den schwachen Ausläufern wiederum sind helle Lichtknoten erkennbar, die wiederum Sternentstehungsgebiete darstellen. - M 83 – Feuerradgalaxie – Wasserschlange
Die Galaxie erscheint mit hellem, flächigen Kern, wobei in diesem Bereich ein unauffälliger Balken eingebettet ist. Am Balken wiederum sind zwei unterschiedlich ausgeprägte Galaxienarme angehängt

Wie auch schon bei meiner ersten Reise auf die Insel La Palma, nutzte ich die letzte Nacht, um die schönsten Objekte nochmals mit dem Teleskop aufzusuchen. Die vergangen zwei Monate in Namibia hatten einen bleibenden Eindruck auf mich gemacht, und so kam es, dass ich während dessen an die vielen schönen Erlebnisse zurückblickte.

Als die Rückreise anstand, ging es über Umwege zum Flughafen. Hierbei fuhren wir über Rehoboth, ein paar Farmarbeiter nach hause zu bringen. Auf der mehrstündigen Fahrt gab es wieder einiges zu sehen, wobei mir Waltraud das ein oder andere Hintergrundwissen vermittelte. In Windhuk selbst fuhren wir eine Runde um den Präsidentenpalast, der kurioser Weise von den Nordkoreanern gebaut wurde. Am Flughafen angekommen, gab es eine herzliche Verabschiedung.
Wie auch der Hinflug, ging der Rückflug sehr entspannt von statten. Mit viel Beinfreiheit konnte ich während des Flug ganz passabel schlafen. Noch während ich über Italien flog, ging die Sonne auf, sodass die Gipfel der Alpen in der Morgensonne aufleuchteten. Nach nicht allzu langer Zeit landete der Flieger schlussendlich in Frankfurt/Main wo meine Reise ihr Ende finden sollte.
