La Palma erneut im Blick
Mitte 2019 ergab sich für mich erneut die Möglichkeit auf die Kanareninsel La Palma zu reisen. Die Planungen hierzu gingen schon einige Monate im Voraus los, wobei sich diese wieder explizit nach den Mondphasen richteten. Nachdem klar war, wann ich für längere Zeit verreisen konnte, plante meine damalige Partnerin ihre Schicht bei den MAGIC-Teleskopen, deren Schichtleitung sie dann übernehmen sollte. Wie bereits bei meiner Reise in 2016, buchte ich eine Unterkunft auf der Hacienda La Palma, welche auf der nordwestlichen Seite La Palmas auf rund 1.300 Metern über dem Meer liegt. Ebenso mietete ich erneut bei Kai von Schauroth bzw. Athos einen 16“ Dobson von Spacewalk Telescopes samt Beobachtungsstuhl.
Die Gepäckplanung war eine Sache für sich. Wie auch schon bei meiner vorherigen Reise nach Namibia wollte ich wieder einen Großteil meiner Beobachtungs- und Fotoausrüstung mitnehmen. Ich hätte die Sachen größtenteils auch vor Ort mieten können, jedoch ist es immer einfacher mit einem bereits bekannten Equipment zu arbeiten. Bei so viel Gepäck ist die reguläre Gewichtsgrenze von 20 kg schnell erreicht, weshalb ich für ordentliches Geld 10 kg Zusatzgepäck hinzubuchte. Da auch das recht knapp war, wurde nur das Nötigste an Kleidung eingepackt. Alles in allem hatte ich dennoch nur gut die Hälfte des Gepäcks eingeplant, wie bei meiner damaligen Reise nach Namibia, bei der ich schlussendlich mit rund 64 kg Gepäck unterwegs war.
Als wir am 9. Juni am Flughafen Santa Cruz de La Palma ankamen, wartete bereits schönstes Wetter auf uns. Es war nicht zu warm und der Wind sorgte für die nötige Erfrischung. Nachdem wir am Flughafen den Mietwagen entgegennahmen, ging’s erst mal zum Einkaufen nach Los Cancajos. Anschließend fuhren wir ans Meer, wo wir bereits von der Brandung erwartet wurden. Durch den Tunnel unter dem Cumbre Nueva, durch das Ardanetal und an Puntagorda vorbei, erreichten wir nach zwei Stunden Fahrt unsere in den Weinbergen gelegene Unterkunft. Nach einem kurzen Empfang bezogen wird dort Haus „El Mirador“.
La Palma abseits der Astronomie
Die erste Woche verging für uns wie im Flug. Astronomisch gesehen tat sich in dieser Zeit nicht viel, dafür erkundeten wir zu Fuß und mit dem Auto die Insel. La Palma hat vieles zu bieten und hat sehr unterschiedliche Gesichter. Auf der Ost- und Nordseite gibt es viel Grün und es regnet des Öfteren. Die andere Inselseite ist hingegen relativ trocken und sonnig. Wer sich für Flora und Geologie interessiert, ist hier gut aufgehoben. Tagsüber kann man auf bis zu 2.400 m hinauf, um anschließend den Tag am Meer bei regionalen Spezialitäten ausklingen zu lassen.
Wir waren unter anderem in Mazo, um bei El Molino vorbeizuschauen, die ich bereits von meiner ersten Reise her kannte. Hierbei handelt es sich um eine kleine Keramikwerkstatt, die sich auf Repliken altkanarischer Gefäße spezialisiert hat. Die Werkstatt selbst ist in einer gut erhaltenen Windmühle untergebracht, in der sich zudem ein kleines, interessantes Handwerksmuseum befindet. Dem dortigen Meister kann man dort wortwörtlich über die Schulter schauen. Da wir in dem angegliederten Laden nichts Astronomisches fanden, fragten wir kurzerhand, ob für uns zwei Schalen mit astronomischem Motiv gestaltet werden könnten. Das war für den Chef, Ramón, kein Problem, sodass ich diese kurz vor der Rückreise bei ihm abholen konnte.
Da wir schon auf der Ostseite der Insel waren, erkundeten wir eine der wenigen aus Vulkangestein aufgetürmten Pyramiden, die nur wenige Meter abseits der Straße aus dem Gestrüpp ragen. Auf der Nachbarinsel Teneriffa gibt es nahe der Gemeinde Güimar ebenfalls Pyramiden dieser Art, wobei dort die Nutzung der Pyramiden vermutlich im Zusammenhang mit den Sommer- und Wintersonnenwenden steht. Wer diese errichtet hat und welchem Zweck diese letztendlich dienten, darüber rätseln bis heute die Leute.
Wenn es irgendwie möglich war, fuhren wir hinunter ans Meer, wobei ein Badeausflug zum Playa de La Veta nicht fehlen durfte. An der Nordküste machten wir einen Abstecher zum Faro de Punta Cumplida (Leuchturm), welchen wir jenseits der Bananenplantagen erreichten. Das Meer zeigte sich dort von seiner schönsten Seite. Wenn es sich streckentechnisch einrichten ließ, machten wir im Hafen von Tazacorte halt, um dort fangfrischen Fisch und Meeresfrüchte zu essen. Die palmerische Küche wartet mit allerhand Köstlichkeiten auf, wobei es mir besonders die Chopitos, kleine frittierte Tintenfische, angetan hatten. Eine Wanderung in der Caldera stand ebenfalls auf dem Programm. Durch tiefe Schluchten folgten wir dem Bachbett bis zur Cascada de Colores, einem durch Auswaschungen bunt gefärbten Wasserfall. Ebenso erwanderten wir die Gegend um Los Tilos und den Roque del Faro, bei der es unter anderem durch urige Loorbeerwälder und die darin liegenden Schluchten ging.
Zur Vollmondnacht fuhren wir an die Südspitze La Palmas, zum Faro de Fuencaliente, wobei es sich hier genaugenommen um zwei Leuchttürme handelt. Auf den Weg dorthin legten wir an den Lavafeldern des San Juan einen Zwischenhalt ein. Das dortige Besucherzentrum war zwar inzwischen fertiggestellt worden, jedoch war dieses bereits am frühen Nachmittag geschlossen. So kam es, dass wir das Lavafeld des bis dato jüngsten Ausbruchs auf eigene Faust erkundeten. An den Leuchttürmen angekommen, ruhte ich mich noch für die lange Nacht aus, zumal ich noch fit sein musste, um die zweistündige Rückfahrt sicher bewältigen zu können. Während dessen erkundete meine Begleiterin die Gegend und machte noch am Tage eine Reihe von Fotos. Zum Sonnenuntergang war war ich wieder aktiv, und da es dort sehr windig war, setzten wir uns anfangs noch ins Auto. Als es dann dunkel war und der Vollmond über dem Meer aufging, legten wir mit dem Fotografieren los.

Ab der zweiten Woche waren wir praktisch jeden Tag oben auf dem Berg bzw. dem Roque de los Muchachos. Während sich meine Begleiterin um eines ihrer Projekte kümmerte, bei dem sie maßgeblich aktiv war, nutze ich die Zeit, um zu Fuß den Rand der Caldera zu erkunden. Auf schmalen Pfaden ging es, teils direkt am Abgrund entlang, durch blühende Landschaften. Das Meer stets im Blick, zeigte sich die Insel von einer ihrer charmantesten Seiten, wobei ich erstaunlich wenige Wanderer getroffen habe. Je näher wir dem Neumond kamen, desto mehr sollte sich für uns alles um die Astronomie drehen.
Auf der Suche nach dem Kreuz des Südens
Für einen Abend nahm ich mir vor, von der Straße aus zum Rand der Caldera zu hinaufzulaufen, um von dort aus das Kreuz des Südens zu sichten. Bepackt mit Rucksack und Stativ, ging es gut eine Stunde die geteerte Straße hinauf zum Rand der Caldera. Am Pico Fuente Nueva angekommen, hatte ich einen guten Blick in Richtung Süden und die wolkenverhangene Caldera. Nach etwas Suchen fand ich unmittelbar über den Horizont das Kreuz des Südens, wobei von den vier Sternen nur drei über dem Horizont und somit sichtbar waren. Ich habe die Wanderung an den Rand der Caldera in den privaten Teil vor der Zeit bei MAGIC gesetzt, sodass da auch kein Bezug mehr vorhanden ist.
Astronomie jenseits der Passion
Durch glückliche Umstände hatte ich im weiteren Verlauf dieser Reise die Möglichkeit, meine damalige Partnerin bei ihrer Arbeit als Astrophysikerin begleiten zu können. Hierdurch konnte ich einen Blick hinter die Kulissen werfen und einen Eindruck davon bekommen, wie der Betrieb von Großteleskopen vonstatten geht. Ich selbst hatte in diesem Zuge auch die Gelegenheit mit dem von mir gemieteten Teleskop in direkter Nähe zu den Großteleskopen beobachten zu können. Alles in allem eine Chance, die man als Hobbyastronom nur äußerst selten bekommt.
In der Zeit auf dem Gelände des Observatorio del Roque de los Muchachos erledigten wir gemeinsam auch ein paar kleinere Dinge am FACT-Teleskop. Die Überwachungskamera, die wiederum die eigentliche Kamera an FACT überwacht, machte Probleme, wobei diese nach längerer Fehlersuche wieder zum Laufen gebracht werden konnte. Des Weiteren montierten wir eine zweite Kamera an der Spiegelzelle, welche ebenfalls die FACT-Kamera im Blick behält. Bei der Montage der Überwachungskamera mussten wir das ganze Teleskop mittels Handsteuerung schwenken, wobei wir hierbei den Brandschutz berücksichtigen mussten. Die offen verbauten Spiegel können im schlechtesten Fall das Sonnenlicht auf einen Punkt am Boden fokussieren und dort die Vegetation in Brand setzen. Habe ich mal so belassen, da es hierzu Fotos geben wird, die die dortige Situation zeigen werden. Konkret hieß das, dass wir mit der Montage der Kamera bzw. dem händischen Verfahren des Teleskops erst kurz vor Sonnenuntergang beginnen konnten. Um die Überwachungskamera schlussendlich betreiben zu können, zogen wir ein Kabel vom Teleskop hinein in den Container zu den Rechnern.

Zweimal sind wir zum Teleskop der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften hinaufgefahren, welche ferngesteuert betrieben werden. Nach zweier vorheriger Stromausfälle schauten wird dort nach dem Rechten.
Wenige Tage später begann für meine Reisebegleiterin die Arbeit bei den MAGIC-Teleskopen. Hierfür bekamen wir gleich zu Anfang eine Sicherheitsunterweisung samt Helm und Lampe. Da sich die Schichten überlappten, waren wir zeitweise zu acht, wobei sich diese internationale Truppe überwiegend aus Doktoranden und Postdoktoranden zusammensetzte. Zu Beginn dieser Zeit ergab sich für uns auch eine Führung am Lage-Sized-Telescope-1 (LST-1), welches sich zum damaligen Zeitpunkt im Probebetrieb befand.

Sowohl bei MAGIC, LST-1, als auch bei FACT handelt es sich um sog. Tscherenkow-Teleskope. Diese beobachten genaugenommen die in der Erdatmosphäre entstandene Strahlung, welche von durch Gammastrahlung angeregten Luftmolekülen bzw. -atomen ausgeht. Um sich besonders schnell bewegen zu können, haben diese keine Einhausung im Sinne einer Kuppel. Denke die Erklärung ist ausreichend.
Die Abende begannen in der Regel damit, dass wir noch vor dem gemeinsamen Abendessen in der Residencia hinauf zu den Teleskopen fuhren, um dort die Vorbereitungen für die kommende Nacht zu treffen. So wurden unter anderem einzelne Systeme eingeschaltet und die Anlage bei Tageslicht in Augenschein genommen. Nach dem Abendessen ging es kurz nach Sonnenuntergang erneut hoch zu den Teleskopen. Während die Schichter die Sturmsicherungen der MAGIC-Teleskope entfernten und diese händisch aus deren Parkposition heraus fuhren, begann ich mich und meine Ausrüstung für die anstehende Nacht vorzubereiten.
Eigene Beobachtungsmöglichkeiten
Wie schon geschrieben, hatte ich bei Kai von Schauroth bzw. Athos wieder einen 16“ Dobson-Teleskop gemietet. Nach einer kurzen Einweisung wurde das Teleskop mit dem Mietwagen über vielen Serpentinen hinauf zu den Observatorien transportiert. Zum Glück konnte ich das Teleskop in zusammengebautem Stand samt Zubehör in den temperierten Container von FACT stellen, sodass mir das tägliche Zerlegen und Zusammenbauen des Dobsons erspart geblieben ist. Da ich direkt vor dem Kontrollgebäude , umgeben von gelb blühendem Drüsenginster und riesigen Cherenkov-Teleskopen, beobachten durfte, musste ich meine Ausrüstung nur 30 Meter weit tragen. Im Countinghouse selbst waren Tee, Kuchen und Gesellschaft zu finden. Nach einer kurzen Überprüfung der Justage hatte das Teleskop nun ausreichend Zeit um sich an die Umgebungstemperatur anzupassen. Durch die komfortable Vorbereitung blieb genügend Zeit, um die Dämmerung mit dem damit einhergehenden Farbspiel zu beobachten. Auch das Vorbeiziehen der Passatwolken war ein Schauspiel für sich, zumal ich sich dieses von oben herab beobachten ließen. Nachdem zum Sonnenuntergang die Touristen verschwunden waren, kam mehr und mehr Bewegung in und um die Observatorien zum Vorschein. Überall begannen sich Kuppeln zu öffnen und das ein oder andere Teleskop lugte heraus.
Beste Beobachtungsbedingungen
Die Bedingungen auf dem Roque waren weitaus besser als erhofft. Vor allem was den Wind betrifft, hatte ich im Voraus durchaus die Bedenken, dass mir dieser einen Strich durch die Rechnung macht. Von meinem letzten Besuch auf La Palma weiß ich, dass der Wind dort oben sehr stark sein kann. Bis auf zwei Nächte war es jedoch windstill, wobei in den zwei besagten Nächten lediglich ein leichter Wind zu spüren war. Die Luft war die ganze Zeit über knochentrocken und lag deutlich unter 20%. So trocken, dass das Sperrholz des Dobson-Teleskops begann zu schwinden und ich einzelne Schrauben nachziehen musste.

Die Transparenz war durchgehend sehr gut. Hierbei hatte ich großes Glück, denn im gleichen Zeitraum zogen große Mengen an Saharastaub nördlich der Kanarischen Inseln vorbei in Richtung Festland. Auch die Temperaturen waren mir wohl gesonnen. Bei knapp unter 10° C ließ es sich draußen hervorragend aushalten. Alles in allem perfekte Wetterbedingungen!
Die Gegebenheiten am Beobachtungsplatz waren exzellent, wobei dies unterschiedliche Gründe hat. Zum einen ist es so, dass das Areal bzw. die Insel über 2.000 Meter aus dem Meer herausragt. Große Mengen der Atmosphäre und deren Inhalte wie Dampf und Staub befinden sich somit unterhalb, weshalb die Transparenz des Himmels sehr gut war. Hierbei hatte ich aber auch großes Glück, denn im gleichen Zeitraum zogen große Mengen an Saharastaub nördlich der Kanarischen Inseln vorbei in Richtung Festland.
Des Weiteren waren mir die Temperaturen wohl gesonnen. Bei knapp unter 10° C ließ es sich draußen hervorragend aushalten. Auch erreichten die Passatwolken diese Höhe nicht, weshalb der Himmel ausschließlich klare Nächte bot. Alles in allem perfekte Wetterbedingungen! Die geringe Bevölkerung, das Fehlen von Industrie und der gezielte Einsatz gegen Lichtverschmutzung sorgen zudem dafür, dass der Himmel nur in sehr geringem Maße durch künstliches Licht aufgehellt ist und dementsprechend dunkel erscheint. Kein Wunder also, dass sich auf La Palma bzw. unterhalb des Roque de Los Muchachos die vielen Observatorien angesiedelt haben.

Da das Teleskop bereits fertig vorbereitet im temperierten Container lagerte, konnte ich zügig mit dem Beobachten beginnen. Durch die eingesparte Zeit war es möglich, den Wandel von Tag zu Nacht in vollen Zügen zu genießen. Noch während die Dämmerung begann ich als Einstiegsobjekt den Kugelsternhaufen Omega Centauri aufzusuchen, der vom Beobachtungsplatz aus jeden Abend ganz knapp über dem Gran Telescopio Canarias vorbeizog. Sobald sich die Dämmerung dem Ende neigte , konnte ich das volle Potenzial des Teleskops nutzen und dementsprechend an die Grenzen des Machbaren gehen. Durch die ideale Lage und exzellente Wetterbedingungen, waren auch horiziontnahe Beobachtungen sehr ergiebig.
In den ersten Beobachtungsnächten ruhte ich mich noch während der letzten Nachtstunden aus. Später jedoch machte ich die Nächte komplett durch. Bei insgesamt 9 Nächten stellt sich der Körper und dessen Biorhythmus doch ganz gut darauf ein. Solange der Mond noch nicht aufgegangen war, wurde soweit es ging beobachtet. Parallel dazu ließ ich meine nachgeführte Kamera auf einer Astrotrac-Montierung automatisiert belichten. Sobald der Mond über dem Berg stand und somit das Areal erhellte, machte ich Langzeitbelichtungen von der Landschaft und den Teleskopen. Zu diesem Zeitpunkt blühte auf dem Berg noch der gelbe Drüsenginster, welcher um sämtliche Teleskope herum wuchs.
Während dieser Reise war jede Beobachtungsnacht ein Erlebnis. Mit Einbruch der Nacht stand das Zodiakallicht überaus auffällig am Himmel, sodass man am Okular aus dem Augenwinkel heraus hätte meinen können, jemand würde in der Ferne mit einem starken Scheinwerfer in den Himmel leuchten. Die Milchstraße, die sich mit Beginn der Nacht vom östlichen Horizont her sich wie ein leuchtkräftiger Bogen am Firmament aufspannte, erschien so hell und detailreich, wie man sie von alten Schwarzweißaufnahmen her kennt. Der zentrale Bereich der Milchstraße leuchtete, wenn auch sehr diffus, so kräftig, dass man beim Übereinanderhalten der Hände deren eigenen Schattenwurf erkennen konnte. Durch die geographische Lage bei rund N 28,6°, ließen sich zudem am Himmel Areale und Sternbilder blicken, die von Deutschland aus nie über den Horizont bzw. aus den Horizontdunst herauskommen.
Highlights aus den Beobachtungsnächten
- Pluto
Am 25. Juni und am 26. Juni hab ich jeweils in der zweiten Nachthälftegegen gegen 2:30 Uhr Pluto aufgesucht. Mein Ziel ist es gewesen, Pluto erstmals zu sichten und dessen Bewegung wahrzunehmen. Ihn aufzufinden dauerte etwas. Zum Glück gab es in der Nähe eine Sternenkonstellation in Form eines gleichschenkeligen Dreieck, welches eine gute Orientierungshilfe abgab. In der ersten Nacht lag Pluto außerhalb dieser Konstellation. Etwa 24h später lag Pluto grob im Mittelpunkt des Dreiecks. In dieser Zeit hatte er sich am Himmel um ca. 1,3´ bewegt, wobei hier auch die Paralaxenverschiebung eine Rolle spielte. - Jupiter & Saturn
Das Seeing ermöglichte von Zeit zu Zeit Beobachtungen mit über 400-facher Vergrößerung. Saturn zeigte sich aufgrund der weit geöffneten Ringe von seiner besten Seite. Jupiter hingegen hatte neben vielen Wolkenbändern und diverse helle Blasen, Wirbel und den Großen Roten Fleck zu bieten. - Cirrus-Komplex
Dieses Paradeobjekt zieht seit jeher meine Aufmerksamkeit auf sich und wird daher selten außer Acht gelassen. Von der Rhön aus lässt sich bereits eine Fülle an Details erkennen, wobei diese Detailfülle auf La Palma nochmal deutlich ansteigt. Sowohl der östliche als auch westliche Teil dieses Nebelkomplexes ist mit unzähligen Filamenten durchzogen. - Hubble-Spacetelescope
Einmal konnte ich dem Hubble-Teleskop erstmals zusehen wie es knapp am Zenit vorbei über den Himmel flog. Im Teleskop versuchte ich bei knapp 130-facher Vergrößerung dem Satelliten zu folgen. Ich konnte zumindest erkenne, dass es sich hierbei um ein längliches, flächiges Objekt handelt. - Markarian 421 und 501
Wie auch die Großteleskope ringsum, beobachtete ich die Blazare Mrk 501 und Mrk 421. Auf dem Tablet hatte ich das passende Kartenmaterial parat, sodass ich diese unter den Bezeichungen UGC 10559 (Mark 501; 12,6 mag, 300 bis 350 Mio Lichtjahre) und UGC 6132 (Mrk 421; 13,1 mag, 400 Mio. Lichtjahre) auffinden konnte. Mit dem 16″ Dobson ließen sich die Blazare problemlos erkennen. - Makariansche Kette
Es ist nich so, dass ich diese Ansammlung von Galaxien nicht schon viele Male von zu hause aus beobachten konnte, aber bei einem so dunklen Himmel ist der Anblick doch nochmal ein anderer. Egal in welche Richtung ich den Dobson auch schwenkte, das Gesichtsfeld war mit Galaxien übersät. - CTA 102
Eine Karte brauchte ich inzwischen gar nicht mehr. Der Blazar glimmte mehrmals auf, wobei es sehr lange gedauert hat bis ich mir auch wirklich sicher war ihn gesehen zu haben. Seit längerer Zeit konnte ich ihn endlich wieder mal sehen. Die schwankende Helligkeit macht das Beobachten nicht einfach, zumal dieser Blazar in der Regel nicht hell genug erscheint, um ihn in einem Teleskop mit 16″ Spiegeldurchmesser sehen zu können. - Quasar QSO 2237+0305 (Einsteinkreuz hinter PGC 69457)
Hier war mir Sky Safari wieder eine große Hilfe. Das Einsteinkreuz bzw. der Quasar ist zwar nicht hinterlegt, aber dafür die Galaxie PGC 69457 hinter der er sich befindet. Die Galaxie selbst war gut zu sehen. Das Einsteinkreuz hingegen war nicht sichtbar. - Andromedas Parachute
Anhand der Karte von Christian Busch (Spacewalk Teleskcopes) gelang es mir den besagten Stern sicher zu finden. Allerdings hatte ich Schwierigkeiten mehr als einen Punkt zu sehen. Vielleicht hätte eine EQ-Plattform geholfen, um mich bei noch höheren Vergrößerungen ausschließlich auf´s Beobachten konzentrieren zu können. - NGC 4038 (Antennengalaxie)
Diese Galaxie musste ich möglichst früh beobachten, da diese sonst hinter dem LST verschwand. Neben M51 ist diese für mich eines der schönsten wechselwirkenden Galaxienpaare. Die Gezeitenschweife waren mit etwas Geduld erkennbar. - Omega Centauri
Jedes mal wenn ich diesen Kugelsternhaufen beobachtete, kam Namibia-Feeling auf. Es war oftmals das erste Objekt in der Nacht, welches ich beobachtete. Bereits mit bloßem Auge als Klecks sichtbar, zog es sehr niedrig über das GRANTECAN hinweg. Dieser Kugelsternhaufen erschein ausgesprochen hell, sternreich und homogen. - Der gestirnte Himmel als solcher
Während dem Beobachten ging der Kopf immer wieder nach oben und ich ließ den gestirnten Himmel auf mich wirken. Bei diesem klaren und dunklen Himmel erschien es mir so, als ob die Sterne und das Band der Milchstraße zum Greifen nah über mir stand. Das sind die Momente, in denen die Astronomie nicht bloß ein Hobby darstellt, sondern eine Passion. Eine Passion, die neben tiefem Interesse und Inspiration auch ein unersättliches Verlangen nach mehr begründet.
Über den gesamten Zeitraum hinweg hatte ich rund 100 Objekte aufgesucht. Gerne hätte ich noch das ein oder andere Objekt mehr angefahren und beobachtet, allerdings ist es mir wichtig, dass ich mir bei den einzelnen Objekten ausreichend Zeit lasse. Eine halbe Stunde war für ein einzelnes Objekt schnell verstrichten. Manche Objekte waren sehr lichtschwach, sodass es einige Zeit brauchte, um die Details überhaupt erkennen zu können. Andere Objekte hingegen waren so detailreich, dass es einfach Zeit brauchte, um diese vollständig erfassen zu können. Abgesehen davon brauchen die Augen und auch der Kopf zwischendurch kurze Pausen, wobei hier der Anblick der Milchstraße im Ganzes eine willkommene Abwechslung bot.
Begeisterter Schichter
Von den Schichtern kam mich eines Nachts einer in seiner Pause besuchen. Dieser hatte vorher noch nie durch ein Teleskop geschaut wie es die Hobbyastronomen nutzen und hatte auch sonst noch nie die Gelegenheit unter einem solch dunklen Himmel zu stehen, geschweige denn diesen bewusst auf sich wirken zu lassen. Es dauerte eine Weile, bis sich dessen Augen an die Dunkelheit gewöhnten, aber nach und nach zeigte sich auch ihm die Milchstraße in deren vollen Detailfülle. Schon allein davon war er zutiefst beeindruckt. Wie bei einer Sternenführung zeigte ich ihm die Highlights am Nachthimmel. Neben dem Cirrus-Komplex, dem Helixnebel und dem Herkuleshaufen, stellte ich ihm die Planeten Jupiter und Saturn im Teleskop ein. Wie zu erwarten, war der gute Mann völlig aus dem Häuschen. Wer wäre das bei dem Anblick nicht?
Das Morgenritual
An so manchem Morgen fuhren meine Begleiterin und ich nach dem Beobachten zum Gipfel des Roque de Los Muchachos bzw. zum Pico Fuente Nueva, um von dort aus die letzten Momente der Morgendämmerung und den anschließenden Sonnenaufgang zu erleben. Normalerweise sitzt man dort oben umgeben von einem Meer aus Wolken. Manchmal war jedoch der Bereich in der Caldera und um die Insel herum wolkenfrei. Dann konnte man die Straßenbeleuchtung der umliegenden Inseln Teneriffa, La Gomeras sehen. Bei solchen Bedingungen merkt man erst wie tief es dort oben hinunter in die Caldera geht. Sobald die Sonne aufgegangen war, ragt gegenüber der Sonne der riesige Schatten der Insel in Richtung Westen. Nachdem die Schranke zum Gelände geöffnet wurde, fuhr ich zum Ausschlafen zurück zur Hacienda La Palma.
Ein astronomischer Traumurlaub geht zu Ende
Nach drei Wochen Aufenthalt, neigte sich auch dieser Urlaub dem Ende entgegen. Der Tag der Rückreise war straff organisiert. Nach wenigen Stunden Schlaf ging es an das Räumen der Unterkunft. Auch das gemietete Teleskop wollte zurückgebracht werden. Während der zweistündigen Fahrt zum Flughafen fuhr ich an vielen Stationen dieses Urlaubs vorbei und ließ die vergangen Wochen Revue passieren. Bei der Sicherheitskontrolle packe ich vorsichtshalber meine Okulare komplett aus, damit niemand auf die Idee kommen würde, diese auseinanderschrauben zu wollen. In Frankfurt angekommen, erwartete mich trotz der späten Uhrezeit drückend heißes Wetter. Die Luftströmung hatte heiße, staubreiche Luft aus der Sahara nach Deutschland transportiert. Ein Wetterereignis, das auf den Kanarischen Insel des öfteren vorkommt und von dem ich glücklicher Weise verschont blieb. Sonst wäre dieser Urlaub bei weitem nicht so wundervoll geworden.








