Rund alle 20 Jahre kommt es vor, dass die Planeten Jupiter und Saturn von der Erde aus gesehen besonders nahe stehen. Dieses Ereignis nennt man Große Konkjunktion. Bereits seit der Anike ist diese Regelmäßigkeit bekannt, wobei man hier sogar einen Zusammenhang mit dem Stern von Bethlehem vermutet.
Die Beobachtungsplanungen um die Große Konjunktion für das Jahr 2020 gestalteten sich als kompliziert. Zum einen war vielerorts der Blick in den Himmel durch den Nebel versperrt. Anhand von Satellitenbildern und Webcams verschafften wir uns einen Eindruck von den Wetterverhältnissen an den bekannten Beobachtungsplätzen in der näheren und weiteren Umgebung. Schlussendlich entschieden wir uns, auf die Wasserkuppe in der hessischen Rhön zu fahren. Da sich der Nebel an den Höhenzügen im hessisch-bayerischen Grenzgebiet staute, blieb die hessische Rhön zu großen Teilen vom Nebel verschont.
Zum anderen war das Zeitfenster für die Beobachtung knapp abgesteck. Bereits zu Beginn der nautischen Dämmerung (ca. 17:15 Uhr) standen beide Planeten bereits nur noch ca. 12° über dem Horizont. Wolkenbänder im südwestlichen Horizontbereich schränkten die Beobachtbarkeit weiter ein. Zudem bestand in Bayern coronabedingt ab 21 Uhr eine Ausgangssperre. Bei etwas mehr als einer Stunde Fahrzeit, stand für 19:45 Uhr unverrückbar die Abfahrt in der Zeitplanung.
Bereits 1,5 Stunden vor Sonnenuntergang erreichten wir den Parkplatz an der Wasserkuppe, um im aller Ruhe unsere Ausrüstung aufzubauen. Ich selbst nutzte für diesen Abend wieder meinen 10″ Dobson, der sich für die Planetenbeobachtung bewährt hat. Mein Astrokollege aus Rottendorf war hingegen mit seiner Fotoausrüstung unterwegs, wobei sich die Ausrichtung der Parallaktischen Montierung aufgrund des fehlenden Polarsterns bzw. der durchziehenden Wolken als schwierig erwies. Während des Aufbaus auf war auf Hessens höchstem Berg noch reges Treiben zu vernehmen. Demensprechend gab es viele verduzte und fragende Gesichter, die wissen wollten, was das für Gerätschaften sind und weshalb wir diese aufbauten. Zum Sonnenuntergang hatten wir den Parkplatz fast für uns alleine.
Kurze Zeit nachdem die Sonne unter den Horizont gewandert war, begannen wir mit dem Fernglas die Suche nach den Gasplaneten Jupiter und Saturn. Sobald deren Position am Himmel ausgemacht waren, konnten wir unsere Teleskope darauf ausrichten, sodass die eigentlichen Beobachtungen beginnen konnte.
Bei rund 100-facher Vergrößerung ließen sich beide Planeten gleichzeitig im Teleskop beobachten. Aufgrund der stetig abnehmenden Horizonthöhe, war des Erkennen von Details nicht einfach. Eine höhere Vergrößerung erwies sich an diesem Abend als nicht sinnvoll, da die Luftunruhe und der niedrige Stand mit dem einhergehenden Dunst kein Mehr an Details gebracht hätte. Trotz alledem ergab sich aus dem gleichzeitigen Anblick von Jupiter und Saturn ein sehr ansprechendes Bild.
Io, Ganimed und Kallisto hatte sich östlich von Jupiter aufgereiht. Europa hingegen verschwand direkt zu Beginn des Abends hinter dem Gasriesen und war somit nicht sichtbar. Neben dem nördlichen und südlichen äquatorialen Band (NEB, SEB), zeigten sich auf Jupiters Oberfläche die Polregionen (NPR, SPR) als dunkle Kappen. Saturn hingegen viel mit seinen weit geöffnenten Ringen auf. In der nächtlichen Landschaft konnte man hingegen ein ganz anderes Schauspiel beobachten. Der Nebel, der sich am Höhenzug zu Bayern staute, floss auf der hessischen Seite die Berghänge hinab und löste sich dabei größtenteils auf. Soetwas kannte ich bislang nur von der Insel La Palma.

Nebelströme fließen im Bereich zwischen der Schwedenschanze und der Dammersfelder Kuppe die Flanken hinab.
Im Laufe des Abends machten uns die Wolkenbänder in horizontnähe zunehmend zu schaffen. Ebenso bließ der Wind den Nebel über die südliche Flanke hinauf zu unserem Standort, sodass wir zeitweise im dichten Nebel standen. Solange des die Zeitplanung hergab, harrten wir bei Minustemperaturen und mäßigem Wind auf dem Parkplatz aus, in der Hoffnung, dass die Sicht auf den Himmel wieder besser wird.
Nachdem sich unser Zeitfenster dem Ende neigte, ging es darum, die Technik zügig abzubauen. Zu unserem Erstaunen war der Bereich wenige hundert Meter weiter östlich vom Nebel verschon geblieben. Die Fahrt verlief ab der Schwedenschanze in dichtem Nebel. In den Tagen danach standen die beiden Planeten zwar noch enger beieinander, jedoch verwehrte der Nebel jeglichen Blick in den Himmel.
Im Herbst 2040 wird es die nächste Große Konkjunktion geben, wobei Jupiter und Saturn mit einem minimalen Winkelabstand von 1°08´ rund zehnmal soweit auseinander stehen werden, wie sie es im Jahr 2020 getan haben.
