Seit der Sonnenfinsternis im August 1999, welche meine erste Sonnenfinsternis war, bot sich am 20. März 2015 die nächste Möglichkeit, um dieses Himmelsschauspiel zu erleben. Bereits einige Tage im Voraus wurden allerhand Planungen aufgestellt, wobei ein Augenmerk auf den Wetterprognosen lag.
Am Tag der Sonnenfinsternis war nicht nur astronomischer Frühlingsbeginn, sondern auch das Wetter frühlingshaft. Bereits am frühen Morgen war der Himmel blank und ließ auf ebensogutes Wetter während der Finsternis hoffen. Da die Sonnenfinsternis bereits gegen halb zehn begann, galt es rechtzeitig aufzubauen. Bereits am Vortag hatte ich meine komplette Ausrüstung auf den Anhänger verladen, sodass ich direkt losfahren konnte. Direkt am Heerweg gelegen, konnte ich meine Gerätschaften in aller Ruhe startklar machen. Zum einen wurde ein 10″ Dobson aufgebaut, der für die visuelle Beobachtung gedacht war. Um die Bedeckung auch fotografisch festhalten zu können, wurde zudem ein 4,5″ Newton (Vixen R114S) auf einer paralaktischen Montierung (Vixen GP-D2) samt Nachführung (FS2; Escap 530) aufgebaut. Als Kamera diente eine Canon EOS 40D, welche wiederum mit einem programmierbaren Fernauslöser ausgestattet war. Alle Optiken wurden durch passende Filter (ND 5.0) versehen, sodass Kamera und Auge vor der intensiven Sonnenstrahlung geschützt waren.
Noch während des Aufbaus kamen interessierte Leute vorbei, wobei die anstehende Sonnenfinsternis fast niemandem bekannt war. Nach einem kurzen Blick durch das Teleskop, es gab einige interessante Sonnenflecken zu sehen, gingen diese weiter. An einige Fußgänger verteilte ich in Karton gefasstes Filtermaterial, um selbstständig einen Blick auf die Sonne zu werfen.
Im Gegensatz zur Sonnenfinsternis im Jahr 1999, wurde diese weitaus weniger öffentlichkeitswirksam angekündigt. Oftmal erfuhren die Leute erst danach davon. Selbst diejenigen, die noch am Morgen von der anstehenden Finsternis erfuhren, hatten keine Möglichkeit mehr, sich mit adäquaten Beobachtungsmitteln (Finternisbrillen usw.) einzudecken.
Vielerorts durften die Schüler während der Pausen nicht ins Freie bzw. wurden die Fenster verdunkelt, da die Befürchtung umging, die Kinder und Jugendlichen könnten in die Sonne blicken und aufgrund der Sonnenstrahlung Augenschäden davontragen. Im Nachgang stellte sich heraus, das viele Lehrkräfte rechtliche Konsequenzen fürchteten, die sich aus der Übervorsicht der Eltern ergab. Bereits mit geringem Aufwand hätte sich die Aufklärung realisieren lassen, wobei diese bei manchen Eltern wohl nötiger gewesen wäre als beim Nachwuchs.
Ab 09:30 Uhr begann dann bei strahlendem Sonnenschein die Sonnenfinsternis. Neben den Sonnenflecken mit Umbra und Penumbra ließ sich auf der Sonnenoberfläche die Granulation erkennen. Der Mond bot ebenso Details. So war am Rand des Mondes das Höhenprofil von dessen Oberfläche zu sehen. Aber auch auf der Erde konnte man Beobachtungen anstellen. Als es auf das Maximum der Verfinsterung zuging, bemerkte man, wie die Temperatur merklich nachließ und der Gesang der Feldlärchen verstummte. Die Maximale Verfinsterung betrug rund 73 %. Nach Erreichen des Maximums dauerte es ebenos lange, bis der Mond den Blick auf die Sonne wieder komplett freigegeben hatte. Insgesamt konnte man den Vorbeizug des Mondes über etwas mehr als zwei Stunden beobachten.


